Aus „Zenit“ - 12.05.2012

"Miteinander für Europa" - Special: Wir bringen aktuell das Communique von
Luigino Bruni, Professor für Volkswirtschaft an der Wirtschaftsfakultät der
Universität Milano-Bicocca, anlässlich der Tagung "Miteinander für Europa"
(12. Mai 2012).

Von Luigino Bruni

veröffentlicht in Zenit  am 12.05.2012

Logo_ZenitEuropa war der Kontinent, auf dem die Marktwirtschaft sich entfaltet hat, wobei das Christentum und seine Charismen (denken wir nur an das Mönchtum) einen entscheidenden Beitrag geleistet haben.

Heute steckt diese Marktwirtschaft in Europa in einer tiefen Krise, die hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen ist: Allem voran das starke Übergewicht der Finanzspekulation gegenüber der Realwirtschaft. Tatsächlich ist das Finanzwesen solange in Ordnung, als es in einem subsidiären Verhältnis (also im Dienst) zur Realwirtschaft steht. Es wird aber unzivilisiert und höchst schädlich, wenn diese Proportion sich umkehrt und Güter, Dienstleistungen und vor allem die Umwelt und die arbeitende Bevölkerung von spekulativen Kapitalgeschäften versklavt und instrumentalisiert werden.

Ein zweiter Grund ist eine auf dem Konsum begründete Kultur. Sie tendiert dazu, alle Güter und sogar die Beziehungen in Ware zu verwandeln, und so die Arbeit des Menschen zu marginalisieren. Die Wurzel dieser schweren Krise ist deshalb ein anthropologisches, ethisches, relationales und damit spirituelles Defizit.

Was ist also zu tun?

Es braucht eine Menge neuer Dinge. Dabei haben die christlichen Gemeinschaften und Bewegungen mit ihren Charismen einen ganz spezifischen Beitrag zu leisten, und zwar auf verschiedenen Ebenen.

Allem voran geht es um die Ebene des Zeugnis-Gebens und des täglichen Lebens: Dank der vielen lebendigen Charismen ist Europa bereits voller Menschen, die einen einfachen Lebensstil verwirklichen, die die Umwelt lieben, die die Güter teilen und sie als Brücke zur Gemeinschaft benützen. Das alles gibt es bereits, doch die Zeit drängt: wir müssen noch mehr tun und es noch mehr gemeinsam tun. Diese erste Ebene des Lebens ist die Basis für alle anderen: für neue Formen einer Finanzethik, einen kritischen und solidarischen Konsum, für die Genossenschaften und sozial ausgerichteten Unternehmen.

In dieser Hinsicht ist das Projekt Wirtschaft in Gemeinschaft bedeutsam, das im Jahr 1991 auf Initiative von Chiara Lubich entstanden ist und heute auf allen Kontinenten das Interesse vieler Unternehmer, Arbeitnehmer und Wirtschaftswissenschaftler verschiedener christlicher Bewegungen auf sich zieht.

Diese Pilot-Erfahrung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wendet sich aber mit einer starken Botschaft an das kapitalistische System. Dass nämlich die wahre Natur eines Wirtschaftsunternehmens darin besteht, Gemeinschaft zu schaffen, der Gewinn eine soziale Ausrichtung hat und deshalb aufgeteilt werden muss. Die Unternehmen tun heutzutage nicht genug für das Gemeinwohl, wenn sie sich damit begnügen, Steuern zu zahlen, die Gesetze zu befolgen und dem Staat bzw. wohltätigen Menschen alles Übrige zu überlassen. Das genügt nicht mehr. Ein Unternehmen darf seinen erwirtschafteten Reichtum nicht für Finanzspekulationen verwenden, sondern muss damit Arbeitsplätze schaffen und soll ihn in die Ausbildung junger Menschen und in Projekte zugunsten von Randgruppen stecken. Die Armut ist immer das wichtigste Kriterium, der Maßstab für das Gemeinwohl: Willst du wissen, ob eine Gesellschaft gerecht ist, prüfe, wie sie die Ärmsten behandelt!

Dies ist eine starke Botschaft, denn sie behauptet: Um aus dieser Krise herauszukommen sind nicht nur die Funktionsweise des Finanzwesens, sondern auch die Natur eines Wirtschaftsunternehmens und des Gewinns neu zu überdenken. Das ist die wichtigste Botschaft in dieser Wirtschaftskrise, insofern wir sie wahrnehmen und uns zu eigen machen!

Indem wir eine Ökonomie als Gemeinschaft neu formulieren und verkünden, leisten wir unseren Beitrag zu einem Finanzwesen und einer Wirtschaft in Gemeinschaft, die das Gemeinwohl im Blick haben. Die christlichen Charismen haben beigetragen zur Entstehung der Marktwirtschaft: heute können sie und deshalb müssen sie auch einen bedeutsamen Beitrag leisten, damit die Marktwirtschaft zu neuem Leben ersteht.

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