WiG als Sozialwirtschaft? – Nicht nur!

Vergleich idealistisch motivierter Unternehmensformen

WiG als Sozialwirtschaft? – Nicht nur!

von Luca Crivelli

da "Economia di Comunione - una cultura nuova" n.33 - Inserto redazionale allegato a Città Nuova n.13/14 - 2011 - luglio 2011

crivelliBei Unternehmen, in denen die klassische Business-Kultur überholt ist,- nennen wir sie “idealistisch motivierte Unternehmen” (KMU/Klein- und Mittelständische Unternehmen),- kann man drei Organisationsformen ausmachen. 

Die erste Gruppe hebt mit ihren Wirtschaftsaktivitäten indirekt auf die Lösung sozialer Probleme ab, etwa sozialwirtschaftliche Initiativen, die zur Finanzierung von Nonprofit-Organisationen gegründet wurden. Ihr eigentlicher Zweck ist die Spende (teils oder ganz) von marktseitig realisierten Gewinnen aus ihrer Produktionstätigkeit. Das idealistische Resultat wird erst im Nachhinein konkret, wenn ein Gewinn gestiftet wird zur Unterhaltung von Organisationen, die jenseits des Marktes operieren.

Zum zweiten Kreis gehören Unternehmen, die auf direktem Weg zur Lösung sozialer Probleme beitragen, indem sie für bedürftige Menschen arbeiten.

Typisches Beispiel ist die Grameen-Yunus-Bank und deren Weiterentwicklung, die social business genannte Mikrokredit-Finanzierung. Hier engagiert sich die Grameen Bank und einige multinationale Unternehmen für Aktivitäten zur Bedarfsdeckung der Bedürftigen zu möglichst niedrigen Preisen.

Zum dritten Typus zählen die Organisationen, die sich neben sozialen Zwecken auch dafür einsetzen, die Wirtschaft menschlicher zu gestalten. Sie führen das Unternehmen eher inklusiv (d.h. Verschiedenheit einschließend z.B. durch Integration schwer Vermittelbarer), etwa öffentliche Unternehmen oder die Sozialgenossenschaften in Europa.


Die Identität der WiG

Es ist aber nicht möglich, die Wirtschaft in Gemeinschaft auf einen dieser drei Archetypen von KMU zu reduzieren. Die Dreiteilung  der Gewinne gemäß den drei WiG-Zielen und die Tatsache, dass diese Fonds über die Strukturen  der Fokolar-Bewegung abgewickelt werden, (unter Vermittlung Ihrer NGOs) legt eine gewisse Affinität zu Erfahrungen der Nordamerikanischen Sozialunternehmen nahe. Ende Mai 1991 jedoch (mit der WiG-Gründung) zeigte Chiara Lubich zwei Königswege zur direkten Lösung der Probleme der Armut und der sozialen Exklusion auf: durch das Arbeitsplatz-Angebot für Arbeitslose einerseits und  durch die Eigentumsgemeinschaft an den Gewerbeparks andererseits, «wir sind arm, aber viele». Dies rückt die Wirtschaft in Gemeinschaft in die Nähe des social business von Yunus. Und letztlich beschränkt sich die WiG nicht nur auf die Förderung unternehmerischer Initiativen, sie hat ein ganz anderes Wirtschaftssystem zum Ziel. Man denke nur  an die Linien zur Unternehmensführung und die Empfehlung Chiaras von 2007 zur „Bildung von Unternehmen der Gemeinschaft“ samt der überarbeiteten organisatorischen Umgestaltung.

Die Tatsache, dass die Wirtschaft der Gemeinschaft nicht einer der drei Kategorien zuzuordnen ist, beweist, dass ihre Identität anderswo gesucht werden muss, eine Identität, die Chiara dargelegt hat indem sie die WiG als «Komplettkonstruktion der Liebe» definierte. Das Endziel der WiG-Unternehmen ist ihr Beitrag zur Verwirklichung der universellen Brüderlichkeit. Jede Handlung gegenüber wem auch immer das Unternehmen in Kontakt tritt, kann die Gemeinschaft voranbringen und zur Realisierung des Ziels beitragen. 

Größe und Schwäche der Wirtschaft in Gemeinschaft

Aber die Größe der Wirtschaft in Gemeinschaft ist auch ihre Grenze. Ihr Ziel, die Verbreitung der Brüderlichkeit, ist derart hoch, dass es naturgemäß verletzlich und zerbrechlich ist.

“Gemeinschaft herzustellen” ist ein so schwieriges Unterfangen, das sich nur schwer in Schautafeln und Tabellen mit Indikatoren darstellen lässt. Es würde immer beim Vergleich mit den ökonomischen Kennzahlen des Betriebs den Kürzeren ziehen.

Wenn man sich nicht anstrengt und institutionelle Lösungen findet mit dauerhaften Methoden zur Rentabilitätsberechnung, droht man auf dem Niveau reiner Institutionsethik zu bleiben, einem hohen aber vagen ideellen Anspruch.

Hierzu haben die etwas reiferen Unternehmen eine Praxis der Rentabilitätsberechnung eingeführt mit einer strengen Verbindlichkeit. Hier treffen wir wieder auf die drei Typologien der KMU.

Eine erste Gruppe von Unternehmen der WiG hat sich radikal für die Ausschüttung eines festen Gewinnanteils entschieden und folgt treu der Logik der Drittelung (in den letzten 10 Jahren haben weniger als 5% der WiG-Unternehmen 80% der Schenkungsgewinne aufgebracht).

Eine zweite Gruppe hat eine direkte Rolle im Kampf gegen die verschiedenen Formen der Armut übernommen. Sie entwickelten Mikrokredite, förderten Brutkästen für Firmen, die die Jugendarbeitslosigkeit lindern, stellten Arbeiter mit Handicap ein oder entwickelten neue Produkte, um die Umweltschäden zu reduzieren..

Eine dritte Gruppe überdachte ihre Führungsmethoden, um die Brüderlichkeit auch auf der Führungsebene einer Firma zu realisieren. Hier finden sich in erster Linie Sozialgenossenschaften, aber auch viele “normale” Firmen experimentieren mit Führungsformen in Gemeinschaft.

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