Weltwirtschaftsgipfel im Vatikan

Der Mensch darf nicht zum „Abfallprodukt“ werden. Darum ging es bei dem Wirtschaftsgipfel im Vatikan, an dem 50 der bekanntesten Wirtschafts- und Finanzmanager aus aller Welt teilgenommen haben.

Veröffentlicht in Focolare.org am 21.07.2014

140712 Vaticano 02 ridEin offener Dialog unter „Alternativ-Ökonomen“ aus der Finanzwelt und der multinationalen Gesellschaften, darunter der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus ( bekannt unter dem Namen: „Bankier der Armen“), der Sekretär der internationalen Caritas, Michel Roy und  der Argentinier Juan Grabois (Gründer des ’Movimiento de Trabajadores Excluidos’), der Generalsekretär der OSCE José Ángel Gurría, Spitzenvertreter des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Investmentbank von Goldman Sachs sowie einiger Multinationalen Unternehmen wie Ferrero und Nestlé. Auch Wirtschaftswissenschaftler waren unter den Teilnehmern, darunter Stefano Zamagni, Leonardo Becchetti und Luigino Bruni (internationaler Projektleiter der „Wirtschaft in Gemeinschaft“), die zu den Trägern der Konferenz gehörten.

Es ging bei der Veranstaltung um ein „Globales Gemeinwohl, eine Wirtschaft, die alle Menschen erreichen will“. Dieser Vorschlag wurde in Antwort auf die Enzyklika des Papstes Evangelii Gaudium erarbeitet, 140712 Vaticano 01 ridin der sich Franziskus sehr wachsam mit sozialen Fragen befasst und den Finger auf die Wunde der globalen Wirtschaftspraxis legt: als einer Ausschluss – Wirtschaft, einer Wirtschaft der Abschottung.Im Zuge dieser Überlegungen haben sich am 11. und 12. Juli 50 Wirtschaftsexperten im Vatikan getroffen unter der Federführung des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Justitia et Pax.

Am Ende der Tagung wurde ein Dokument veröffentlicht zum Thema: „Statt einer Globalisierung der Gleichgültigkeit, eine Wirtschaftsordnung, die darauf abzielt, alle Menschen am Wohlstand teilhaben zu lassen“, die den Menschen ins Zentrum stellt.

Darin wird die dringende Notwendigkeit eines Umdenkens betont: die Wirtschaft müsse den Menschen einbeziehen, statt ihn immer mehr auszugrenzen, sie müsse Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand für alle. Die Verantwortlichen werden nachdrücklich dazu eingeladen, Finanzoasen entschiedener zu bekämpfen, die Erhaltung und nachhaltige „Biodiversität“  zu schützen, die heute mehr denn je bedroht sei durch die Gier nach Gewinn, die lokale und territoriale biologische Unterschiede einfach niederwälze. Sie werden aufgerufen, neue Finanzinstitute zu fördern, die die Armen im Blick hätten und als Adressaten des globalen Wohlstandes einbezögen,  eine neue Wirtschaftstheorie zu entwickeln, die sich am Menschen orientiere, an seinen tatsächlichen Bedürfnissen und Lebensumständen, „die Diskriminierung der Frauen zu bekämpfen, den Menschenhandel, die internationale Kriminalität, Korruption und Geldwäsche“.

140712 Vaticano 03 ridDie Tagung hat das Interesse des Wall Street Journals geweckt. Das bekannte nordamerikanische Wirtschaftsblatt betont in einem Artikel, „dass die Diskussion weit über die Kirche hinaus interessiere. Die Katholiken machen 17,4 % der Weltbevölkerung aus. Die Lehre der katholischen Kirche kann also die Finanzwirtschaft auf Weltebene beeinflussen“.

Angstlos und mit Verstand überlegen“ war die Einladung von Papst Franziskus. „Wenn der Mensch seine Menschlichkeit verliert, wird er zu einem Werkzeug des Systems, des sozialen Systems, des wirtschaftlichen Systems, des Herrschaftssystems der Ungleichheit“, die den Menschen zu einem Abfallprodukt degradieren, „wer zu nichts dient, wird weggeworfen“.

Papst Franziskus 140712 Vaticano 05 ridhat mich in vielen Punkten beeindruckt“, kommentiert Luigino Bruni, „vor allem durch seine Fähigkeit zuzuhören, so als gäbe es für ihn nur uns, er hat sogar auf das Essen vergessen. Und dann seine Dankbarkeit: das Wort, das er am meisten gebraucht hat, war ’danke’. ’Es gibt auf der Welt niemanden, der eine größere Autorität hat als der Papst’, meinte Carney, der Direktor der Bank of England, der neben mir saß. In diesem „Davos der Armen“ hat der Papst uns gelehrt, die ganze Welt in den Blick zu nehmen. Er sprach von Lazarus, der mit den Hunden unter dem Tisch lag und von unten nach oben schaute, den dicken Reichen sah aber auch ein Stück Himmel. Der Papst lud uns ein, zusammen mit den Lazarussen von heute auf die Welt und den Himmel zu schauen. Er hat vorgeschlagen, alle zwei Jahre dieses „Davos der Armen“ zu veranstalten und er schien, Gehör zu finden.“

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