Studium der WiG durch Begegnungen im Leben

Interview mit zwei Doktorandinnen der Universität Sophia, die die Wirkung der WiG-Projekte auf Armut untersuchen, nach ihrer Rückkehr von der WiG-Schulung in Serbien

 Von Antonella Ferrucci

130204-10_Serbia_05_rid2Cristina Viano (aus Turin) und Jena Debbaneh (aus Syrien) war das im vorigen Jahr ausgeschriebene  AIEC-Stipendium zuerkannt worden, um den Einfluss von WiG-Initiativen auf Armut zu erforschen. Seit letzten September studierten beide an der Universität Sophia in Loppiano und sind jetzt für einige Zeit in Rocca di Papa in der Internationalen WiG-Kommission. Sie bringen ihre Arbeit in der Zusammenarbeit mit der Kommission und mit der gemeinnützigen Hilfsorganisation AMU. weiter voran. Anfang Februar nahmen Cristina und Jena an einer WiG-Schulung in Serbien teil.

Was brachte euch diese Erfahrung für eure Arbeit?

“Evaluation des Einflusses von WiG-Initiativen auf Armut" - Was beinhaltet die Erforschung dieser Thematik? Mit welchen Realitäten muss man in Kontakt kommen, ohne sich im Denken nur auf Datenmaterial zu beschränken? Nach fünf Jahren theoretischer Vorarbeit an der Sophia scheint die serbische WiG-Kommission besser gerüstet mit einem fundierteren Wissen über die verschiedenen Realitäten der WiG.

Cristina Viano: Das ist so: Um eine solche Untersuchung zu machen, muss man sich unbedingt an erster Stelle mit der Logik der WiG vertraut machen. Einerseits gilt es verstehen, wie ihre Betriebe die 'Kultur des Gebens' im Alltag leben, und andererseits auf welche konkreten Nöte Hilfen orientiert sein müssen. Als wir eine Woche in Serbien verbrachten, kamen wir mit beiden Themen in Berührung durch Informationen, Ideen, Fragen ... und große Neugier auf zahlreiche andere WiG-Realitäten vor Ort wurde geweckt.

Welche Art von Begegnungen hattet ihr auf eurer Reise?

Cristina Viano: Am besten können wir die Verschiedenheit der Begegnungen mit WiG-Betrieben auf unserer Reise anhand von drei Eindrücken verdeutlichen: Es gibt  Cristina_Viano_02da einige Familien, die Tierzucht betreiben. Sie  führten uns die Grundlagen der 'Wirtschaft in Gemeinschaft' und die Einfachheit gemeinschaftlichen Lebens als Familie vor Augen. Dadurch kann sich die Kooperation kleiner Produzenten entwickeln. Das beginnt mit dem Herschenken von aufgezüchteten Tieren, nicht von finanziellen Gewinnen.

Eine ganz andere Realität im Vergleich zur ersten verkörperte ein großer Betrieb im Agrarsektor mit Lebensmittelherstellung und Handel, der in Schwierigkeiten geraten war und vor Herausforderungen stand, Werte der Gemeinschaft mit Wachstum, Geben und Investitionen, Beziehung mit der Gemeinschaft vor Ort und mit Banken in Einklang zu bringen.

Schließlich wurde für uns auch der Unternehmer sichtbar, der die Qualität seiner Produkte und die Arbeit seiner Angestellten sicherstellen und schrittweise seine eigenen Aktivitäten ausweiten muss, ohne sich zu überschulden, sondern indem er der Mehrheit seiner Kunden zinslose Darlehn anbietet und gerade dadurch eine solide gegenseitige Vertrauensbasis schafft. 

In Serbien mangelt es nicht an Schwierigkeiten. Die Kriegsfolgen sind noch heute in der Wirtschaft des Landes spürbar. In einigen Städten ist Armut sichtbar weit verbreitet und die Arbeitslosigkeit hoch; neue Arbeitsstellen anzubieten und Gewinne zu teilen ist sicher keine leichte Aufgabe ...

Cristina Viano: Gerade aus dem Grund sind die Spontanität, das Miteinander und die starke innere Motivation in all den drei vorher genannten Realitäten sowie in vielen anderen in der Provinz Wojwodina ein wichtiges Zeugnis. Erlebt man diese Realitäten hautnah, wird deutlicher, dass die 'Wirtschaft in Gemeinschaft' nicht bedeutet, dass man sich selbst auf ein unpersönliches Geben von Geld oder auf ein spezielles Geschäftsführungsmodell beschränkt. In der Wojwodina bedeutet das vor allem, dass man sich voll auf das Leben vor Ort einlässt, Energien zur Schaffung neuer Arbeitsplätze schöpft, indem man mit der Kleinproduktion in einem Familienbetriebs beginnt und so zu Katalysatoren für die Gemeinschaft wird, fähig, Dienstleistungen anzubieten, und mit Nähe zu denen, die in Not sind.

Hattet ihr Gelegenheit, einigen zu begegnen, denen geleistete Unterstützung zugutekommt?

Jena_03_ridJena Debbaneh: Ja, und wenn man eine Realität persönlich mit eigenen Augen sieht, ist das immer anders, als wenn man sich nur mit Datenmaterial beschäftigt. Wir begegneten Leuten, die Unterstützung für ihre Ausbildung, für medizinische Behandlungen und Wohnungsbedürfnisse bekommen. In den meisten Fällen ging es nicht um extreme Armut. Sie waren alle bereit, uns etwas aus ihrem Leben mitzuteilen: Wie und warum sie unterstützt werden, und wie lange, und wie sie das Geld verwenden. Für uns war wichtig, ihre Biografien zu verstehen, um eine klare Idee zu bekommen, was tatsächlich 'Hilfe' ist, aber auch ihre Zukunftswünsche kennenzulernen. Das lässt uns davon ausgehen, dass sie nicht eine 'Armutsfalle' geraten werden.

Könnt ihr uns ein Beispiel einer solchen Begegnung geben?

Jena Debbaneh: Wir begegneten einer Familie, die auf dem Land in der Nähe von Belgrad lebt. Die Fragen, die wir vor dem Besuch vorbereitet hatten, ließen wir beiseite, als wir in ihr Haus kamen. Die extreme äußere Armut war überdeutlich, aber ebenso beeindruckend war ihre Freude, als sie uns willkommen hießen und uns zu essen und trinken anboten (wir wussten, dass Kaffee im Rahmen ihres Haushaltsgelds sehr kostspielig war). Wir bekamen reichlich zu essen angeboten, aber sie vermittelten uns auch Glück und Liebe. Uns wurde bewusst, dass diese Familie Geber für uns war und mit uns teilte, wie es die 'arme Witwe' im Evangelium getan hat. In Wirklichkeit sind sie reich, denn sie wissen, was 'Kultur des Gebens' bedeutet.

Was nehmt ihr mit von dieser Reise?

Jena Debbaneh: Ich verstand, was Chiara zu vermitteln und zu tun wünschte, als sie die WiG ins Leben rief. Das brachte mich zurück zu Chiaras Ausgangspunkt: Sie wollte Armut und Ungerechtigkeit beseitigen und Betriebe schaffen, die daran mitwirken. Die WiG ist zielgerichtet auf die Notleidenden, und ihre Inklusion in Betrieben ist der Maßstab für die Evaluation ihrer Effizienz.

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