„Vienna Lab“ – Initial-Workshop gestartet

Ein neues Netzwerk für alternatives Wirtschaften entsteht in Österreich.

Von Gertrude Pühringer

121110_Vienna_Lab_01_ridAm Anfang stand der Wunsch zu einem weit gespannten Netzwerk: „Vienna Lab soll für Wien und auch darüber hinaus ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass eine andere Wirtschaft möglich ist“, hieß es in der Einladung. 17 Personen versammelten sich daraufhin am Samstag, 10.11.2012 in Wien, im Seminarzentrum Am Spiegeln zum ersten, intensiven Gedankenaustausch, unter ihnen Jugendliche, ArbeitnehmerInnen, UnternehmerInnen, Manager, Hausfrauen. Sie kamen  aus der Schönstatt-Bewegung, der Fokolar-Bewegung, engagieren sich bei ATTAC Österreich oder anderen gesellschaftspolitischen und sozialen Organisationen und Initiativen. Sie trafen sich zu ‚Vienna Lab‘, um gemeinsam zu überlegen, wie sie sich für eine Gesellschaft einsetzen können, in der es durch gemeinschafts-orientiertes Wirtschaften keine Notleidenden mehr gibt (Grundidee von WiG), wo Wirtschaft, ein gutes Leben für alle ermöglicht (Leitgedanke von Gemeinwohl-Ökonomie), wo man sich am Arbeitsplatz so einbringt, dass es für alle Beteiligten ein wertschätzendes Miteinander sein kann (Leitgedanke von Schönstatt-Bewegung).

Zum Hintergrund von Vienna Lab berichtet Mitveranstalter und WiG-Akteur Karl Pühringer: „Seit einigen Jahren gibt es in Wien regelmäßige Austauschtreffen einer Unternehmergruppe, die den Ansatz von WiG vertiefen und umsetzen. Im letzten Jahr reifte der Wunsch heran, sich breiter zu vernetzen und die Impulse von WiG auch über den Unternehmerkreis wirken zu lassen.Auch die Jugendlichen der Fokolar-Bewegung bekundeten immer wieder ihr Interesse für den Einsatz einer gerechteren 121110_Vienna_Lab_03_ridWirtschaft. So veranstalteten sie z.B. im Rahmen der Ferienmariapoli (offenes Urlaubsprogramm für Jung und Alt mit spirituellem Angebot) einen sehr gut besuchten Workshop zum Thema "Wirtschaftskrise hautnah". Die Idee von Vienna Lab, sich auf das Experiment einer breiten Vernetzung wirtschaftlicher Handlungsalternativen einzulassen, war geboren.

Der Tag begann mit einer ausführlichen persönlichen Vorstellungsrunde aller Teilnehmer. Danach wurden einige bereits erfolgreiche Initiativen vorgestellt: Socialday, ATTAC Kreis Wiener Neustadt, Christ am Arbeitsplatz (Schönstatt-Bewegung), WiG-Unternehmerkreis, WiG-Kurs an einer Wirtschaftshauptschule Wien sowie persönliche Initiativen für Benachteiligte im In- und Ausland. Karl Pühringer: „Es war beeindruckend, wie rasch authentische Gemeinschaft unter den Teilnehmern entstand, in der jeder seinen Beitrag gab und wo einander mit großer Wertschätzung begegnet wurde.

In einem „Brainstorming“ zum Thema "Vision in Action - das Mögliche und Unmögliche" ergaben sich 73 Impulse für 121110_Vienna_Lab_02_riddie Entwicklung einer gerechteren und gemeinschafts-orientierten Wirtschaft, die in 7 Themenbereiche zusammengefasst wurden:
•    Awareness & Konsum
•    Vernetzen
•    Financing
•    Persönlichkeitsentwicklung
•    Projekte
•    Sichtbar machen
•    Unternehmensentwicklung.

Die Impulse bezogen sich einerseits auf bereits vorhandene Initiativen und andererseits auf neue Ideen, gemeinschafts-orientiertes Wirtschaften zu fördern, zu vertiefen oder sich diesbezüglich zu vernetzen. Zum Prozess von Vienna Lab wurde unter anderem eingebracht, dass soziale Aktivitäten so angelegt sein sollten, dass sie sich durch Nachhaltigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe, Offenheit und Beziehungsqualität auszeichnen. Der auf das Brainstorming folgende Austausch war so lebendig und ideenreich, dass die Zeit für die Arbeit in Workshops -  aus jedem der Themenbereiche ein oder mehrere konkrete Ansatzpunkte herauszuarbeiten - fehlte. Doch obwohl die meisten der Teilnehmer bereits über einen übervollen Terminkalender verfügen, waren sie sich über eines einig: Vienna Lab geht weiter. Wie? Das wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. „Es war ein sehr wertvolles Treffen, über das wir Gott sehr dankbar sind“, sagt Karl Pühringer abschließend.

Die Vision von ‚Vienna Lab – Vision‘ machte schon die Einladung deutlich. Darin heißt es:
Im vierten Jahr der Wirtschaftskrise suchen viele Menschen nach neuen Perspektiven. 21 Jahre nach dem Entstehen der Wirtschaft in Gemeinschaft (WiG) wollen wir ihre Impulse über den Unternehmerkreis hinaus wirken lassen. Wir wollen alle Wirtschaftsakteure der Gesellschaft ansprechen, ganz im Sinn  der ursprünglichen Vision Chiara Lubichs: eine Wirtschaft in Gemeinschaft für eine Gesellschaft, in der es keinen Notleidenden mehr gibt.

Unser Leitgedanke: Armut durch wirtschaftliches Handeln überwinden. Die Idee: Die Vielzahl der Akteure, KonsumentInnen, ArbeitnehmerInnen, 121110_Vienna_Lab_06_ridManagerInnen und UnternehmerInnen, LehrerInnen und ProfessorInnen, SchülerInnen und StudentenInnen baut mit allen - insbesondere mit benachteiligen, ausgegrenzten und sich in Not befindenden Menschen - gleichberechtigte und wertschätzende Beziehungen auf. Durch diese „Kultur des Gebens“ erfahren alle Beteiligten eine gegenseitige Bereicherung und Erweiterung der eigenen Persönlichkeit.

Unter dieser Prämisse möchten wir unter dem Arbeitstitel „Vienna Lab“ eine Initiative zur Vernetzung von interessierten Personen starten, die den vielfältigen Gesichtern der Armut ins Auge blicken wollen und sich an gemeinschaftsorientierten Alternativen im alltäglichen wirtschaftlichen und sozialen Umfeld orientieren oder solche Alternativen entwickeln wollen. Diese Erfahrung kristallisierte sich auch in den vergangen Jahren ganz deutlich bei den sogenannten „Socialdays“ in Wien und den WiG-Kursen an der HS Waidhofen heraus, die uns unter anderem als Ausgangspunkt für die gemeinsame Diskussion dienen können.

Auf diesem Hintergrund lädt die WiG-Unternehmergruppe Österreich alle an alternativen Wirtschaftsformen Interessierten zum „Vienna Lab“ ein. Jeder ist angesprochen, sich mit seinen Fähigkeiten und konkreten Erfahrungen einzubringen, um einen weiteren Knotenpunkt für ein größeres Netz zu knüpfen.“

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