2013 - Jahr der Zivilökonomie

300. Geburtstag des Vordenkers der Zivilökonomie, Antonio Genovesi

Von Francesca Daldegan

Antonio_Genovesi_ridDie gegenwärtige Krise weist uns auf die Notwendigkeit, in unserer Wirtschaft die Menschenwürde und die Dynamik guter zwischenmenschlicher Beziehungen neu in den Vordergrund zu rücken.

Die zunehmend ungleiche Verteilung des Reichtums, die Wiederstände bei der Schaffung fehlender Arbeitsplätze und die eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten zu den Märkten sind ein Beleg für eine ausschließlich auf Profit ausgerichtete Wirtschaft. Sie wird vorangetrieben fast ohne Rücksicht auf die Art und Weise, wie der Profit erzielt wird  und wie er auf der Basis von Gerechtigkeit realisiert werden könnte (durch Umsetzung von Dynamiken in der Verteilung, die den wirtschaftlichen Beitrag jedes Einzelnen anerkennen). Dieser Verlust des Vertrauens und der Hoffnung verschärft die Krise.

Gute zwischenmenschliche Beziehungen sind eigentlich die Grundlage für eine reale Vermögensbildung und wie auch für eine energische Antwort auf diese schwierige Situation. Ein entsprechend neuer Lebensstil und ein verändertes Verhalten wären ausschlaggebend für das Gesunden der Wirtschaft wie für ein erfülltes Leben. Die gegenwärtigen Wirtschaftstheorien und -systeme haben unsere gegenseitigen Beziehungen leidvoll und grundsätzlich in Frage gestellt und dazu geführt, dass wir sie nicht mehr unserem Wesen gemäß verwirklichen können: Indem uns das "Du" genommen wurde, sind sie zu unpersönlichen, anonymen Beziehungen entartet. Der echte Kontakt zwischen "mir" und "dir" ist weitgehend verloren gegangen, sodass dass niemand mehr wirklich auf den anderen eingeht. Die Beziehungsebene bleibt unangetastet dank der Vermittlung durch das System aus Preisen und Verträgen. Doch zu unserem derzeitigen System und seiner theoretischen Grundlegung gibt es durchaus Alternativen im Denken und ökonomischen Handeln.

Im 18. Jahrhundert entstand in Italien die Zivilökonomie, genauer gesagt in Neapel, vor allem dank der Überlegungen von Antonio Lezioni_di_Antonio_Genovesi_ridGenovesi. Dem Abt in Salerno/Kampanien wurde der erste Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften in Europa anvertraut. In der Tradition der Zivilökonomie wird der Dynamik, die aus der Anerkennung des anderen erwächst, der Knüpfung verlässlicher Beziehungen, der gegenseitigen Hilfeleistung und Beziehung (Reziprozität) große Bedeutung beigemessen. Dieser Schatz immaterieller Werte, die wir heute als Sozialkapital bezeichnen würden, stand im Zentrum dieses ökonomischen Ansatzes.

Das Sozialkapital aus Vertrauen, Freundschaft und gegenseitigen Beziehungen wurde als ethisches Vermögen der Gesellschaft angesehen, ohne das kein materieller Reichtum wirklich dauerhaft Bestand haben kann. Die Moderne hat uns sehr wohl unsere Identität als Einzelpersonen entdecken lassen und uns von hierarchischen Beziehungen befreit, die auf dem Statusdenken basierten; sie hat uns neue Freiheiten eröffnet. Doch die Herausforderung unserer Zeit besteht darin, dass wir das Engagement für geschwisterliche Beziehungen wieder aus ganzem Herzen und mit Freude angehen, und zwar nicht nur im privaten, häuslichen Bereich, im oîkos („Öko-nomie“), sondern auch in den Unternehmen und im Marktgeschehen.

Im Jahr 2013 wird das in Italien bei zahlreichen Anlässen gefeiert mit einer Rückbesinnung auf die besten Früchte unserer Geschichte, zu denen auch die von Genovesi begründete "zivilgesellschaftliche" Tradition der Zivilökonomie gehört. Wir werden uns dafür einsetzen und eine alternative Ökonomie vorschlagen und sie konzipieren.

Siehe Programm Genovesi-Jahr

Siehe Call for Papers zur fachübergreifenden Konferenz “Public happiness“ – Rom, 4.-5. Juni 2013.

Siehe Einladung Internationales Symposium: Antonio Genovesi "Economic and Civil Perspective 300 years later" - Neapel, 9. März 2013

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