Gewerbegebäude „the box“ in Augsburg eingeweiht

„Verbundenheit als Wirtschaftsmaxime“

Von Winfried Baetz-Braunias

121116_Ausburg_th_box_04_ridDer Bau erinnert tatsächlich an eine leicht geöffnete Box. „Thinking outside the box“ (deutsch: „Aus einer neuen Perspektive/quer denken“) ist die gut lesbare Philosophie, die sich nun zwei Augsburger WiG-Firmen auf ihr neues Bürogebäudes  „the box“ geschrieben haben.  Am 16. November 2012 hatten die beiden Unternehmen Elfgenpick (corporate design, Print-, Webgestaltung, Kampagnen) und  Contecta (Hausverwaltung) ihre Kunden, Lieferanten, Gewerbenachbarn und Freunde eingeladen, um mit ihnen den Bezug des umgebauten Objektes im repräsentativen Gewerbegebiet im Westen der Stadt Augsburg/Bayern zu feiern. Rund 150 Gäste kamen zur Einweihung mit Segnung, Festvortrag. Beim gemeinsamen Besichtigen und Feiern erfuhren sie von der besonderen Philosophie der Box.

Schon die Fassadengestaltung des international bekannten Künstlers und Architekten Thomas Weil bricht die Rechtwinkligkeit dynamisch auf und verweist auf das Miteinander von Gegensätzen. In der Box sollen vor allem Firmen zusammenfinden, die sich in ihrer Werte-Orientierung gegenseitig unterstützen möchten. Sie bereichern mit ihrem alternativen Ansatz die öffentliche Diskussion, die auch in Deutschland nach dem Fall der Berliner Mauer fast ausschließlich von negativen, neo-liberalen Wirtschaftsschlagzeilen beherrscht wird. Sie sind davon überzeugt, dass das Miteinander in unmittelbarer Nachbarschaft eine größere Öffentlichkeitswirkung entfalten wird und möchten für diese Ziele auch einen Teil ihrer Räume und Zeit bereitstellen. 

Verbundenheit als Maxime wirtschaftlichen Handelns“: Nach einer festlichen Einsegnung durch die Pfarrer Dietrich Tiggemann (ev.) und Gerhard Groll (kath.) 121116_Ausburg_th_box_01_rid vertiefte die Philosophin und Theologin Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming (Universität Augsburg) die Firmenphilosophie der Box: Statt dem dominierenden Konkurrenzprinzip zu gehorchen, sei heute, wie mit dem Projekt beabsichtigt, ein Umdenken der Gesellschaft global geboten und die Tatsache der inneren Verbundenheit aller - auch noch so unterschiedlichen Menschen - ins Zentrum des Handelns zu stellen. Schon Platon habe wie alle großen Philosophen die universelle Vernunft als verbindendes Element unter allen und mit dem Urheber des Kosmos verstanden, was die christliche Lehre wiedererkannt habe in ihrer Sicht aller Menschen als Kinder eines Vaters. Es gehe auch in der Wirtschaft darum, statt Zweckrationalität neue Tugenden des Miteinanders einzuüben, die alle großen Weltreligionen als Erfahrungswert anböten.

Die Umnutzung des ehemaligen easypay-Gebäudes soll ein Modellprojekt für zeitgemäßes und zukünftiges Arbeiten und Wirtschaften werden. Firmenübergreifend innovative Konzepte sind energiesparendes Bauen, harmonisches Miteinander zwischen Arbeits- und Naturraum, zwischen konzentrierter Einzelarbeit und Teamwork, zwischen geselligem Miteinander in den Pausenzeiten und effizienten Produktivstunden. Es soll nicht nur ideell und ästhetisch ein Leuchtturm-Projekt sein. Initiatoren des anspruchsvollen Projektes zur Bürogemeinschaft sind die vier Unternehmer Thomas und Christine Hüttl (contecta) sowie Ludger Elfgen und Heinrich Pick (elfgenpick). Während die ersten drei aktive Unternehmer der „Wirtschaft in Gemeinschaft“ sind, ist Pick von der christlichen Initiative „Initiatives of Change“ inspiriert, die im schweizerischen Caux ihren internationalen Sitz hat.

Dem Projekt „The Box“ sind jahrelange Bemühungen vorausgegangen, im Umfeld der Fokolar-Siedlung Ottmaring, ein gemeinsames Gewerbeobjekt unterschiedlicher Firmen der „Wirtschaft in Gemeinschaft“ zu starten,  das Gemeinwohl und Gerechtigkeit als grundlegend menschliche Werte sichtbar macht. Mit der Box ist es ca. 25 Min. entfernt gefunden worden. „Ich habe dabei gelernt: Es geschieht alles zur rechten Zeit“, sagt Mitinitiator Ludger Elfgen heute erleichtert. „Wer hätte sich im September 2011 beim WiG-Kongress in Wien gedacht, dass wir nicht mal ein Jahr später ein gemeinsames Haus bezogen hätten.“

121116_Ausburg_th_box_02_ridDer Eröffnungsabend war umrahmt von einer Free-Jazz-Combo mit Ludger Elfgen am Klavier. Von den von der Designerin Katja Gebauer ansprechend gestalteten Räumen soll die zur Natur hin offene Cafeteria, Treffpunkt der Firmen im Haus, nicht nur am Einweihungstag ein Ort der Begegnung sein. Auch andere WiG-Unternehmer aus Augsburg fühlen sich der Box verbunden und wollen sich hier regelmäßig treffen, wie Peter Steinbrecher (Bauingenieurbüro) und Karin Weiss (Marktforschung): „Meine Mitarbeiterinnen und ich waren von der Atmosphäre bei der Einweihung sehr beeindruckt. Es erinnerte uns an die Einweihung des ersten WiG-Gewerbeparks in Loppiano/Florenz.

Erste Erfolge sind schon spürbar. Nicht nur, dass benachbarte Firmeninhaber sich als aktive Mitchristen geoutet haben, die gemeinsame ethische Grundausrichtung verschafft den beteiligten Firmen auch einen Vertrauensvorschuss bei vielen Marktpartnern und damit auch rein wirtschaftlich einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil, den die zentrale Lage noch begünstigt. „Der Umzug ist mit einer unerwarteten Flut an Neukunden und spannenden Projekten gesegnet worden. Wir bereuen den Schritt keine Minute. Der Mensch denkt - Gott lenkt“, meint Box-Mitgründer Thomas Hüttl.

Willkommen sind auch Mieter, die Flächen aus rein pragmatischen Gründen anmieten wollen und der Grundkonzeption positiv gegenüber stehen. Sie ermöglichen zum einen die gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Immobilie, zum anderen verdeutlichen sie, dass das Projekt in den ganz normalen Wirtschaftsalltag eingebunden ist und sich hier behaupten muss. Das neue Gewerbegelände bietet Raum bis zum Dreifachen der jetzigen  Nutzfläche. Das Gebäude soll Synergien zwischen den Firmen ermöglichen sowie den partnerschaftlichen Umgang fördern. Dazu könnten dienen: Gemeinsam genutzte Firmenfahrzeuge und Taxidienste; Zentrale Netzwerk- und Serverdienste inkl. Backup und unterbrechungsfreie Stromversorgung; Zentrale Einkaufsabteilung für Büro-Artikel.

Aufwand-spezifische Kosten werden anteilig berechnet. Darüber hinaus entstehen keine finanziellen Verpflichtungen.121116_Ausburg_th_box_03_rid Weitere besondere Merkmale:
-   insgesamt mindestens 1000 qm flexible Büroflächen, die nach Mieterwechsel auch neu aufgeteilt werden können;
-    insgesamt drei Geschosse inkl. EG;
-    gemeinsame Cafeteria, Küche mit Terrasse; diese Bereiche können sowohl als Sozialraum wie auch als gemeinsamer Konferenz- und Seminarraum genutzt werden, der auch Besuchergruppen dienen kann (z.B. für Schulklassen und Jugendgruppen);
-    überdurchschnittlich energiesparende e Ausstattung mit Fernwärme.
-    Geplant sind: Photovoltaik-Elemente für Stromerzeugung sowie Elektro-Ladestationen auf dem Parkplatzgelände.

Die Box wird von der Axilio GmbH betrieben. Die Hausverwaltung übernimmt die Firma Contecta, die auch als Mieter im Gebäude vertreten ist. Ein Beirat ist dafür verantwortlich, die Entwicklung des Projektes zu begleiten und voran zu bringen. Hier sind nicht nur interessierte Mieter, sondern auch qualifizierte Sympathisanten des Projektes vertreten, die das Anliegen gerne mit ihrem Knowhow unterstützen. Darüber hinaus verpflichten sich die Mieter, die auch im Beirat vertreten sind, zu regelmäßigen Begegnungen, um gemeinsame Themen zu erörtern und den Austausch zu fördern.

Video des Vortrages von Prof. Dr. Katharina Ceming:

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