Geschwisterlichkeit lernen und global teilen mit unternehmerischer Kreativität

70 Unternehmer und Führungskräfte beim ersten gesamtdeutschen WiG-Kongress auf der Suche nach der „WiG-Identität“ (Ottmaring/Altbayern 24.-26.6 2011)

von Winfried Baetz-Braunias

110624-26_Ottmaring08_rid„Wir müssen heute weit über den Grundwasserspiegel reiner Bilanzgerechtigkeit hinaus gehen. Der Zustand der Seligkeit, den Augustinus seinem Werk über den Gottesstaat beschreibt, muss Eingang finden in die irdische Gesellschaft, in die Firmen, in Form der wertschätzenden ‚Kultur der Gabe‘ - und das ist mehr als Gerechtigkeit.“  Bei seinem Eröffnungsvortrag „Ohne Unentgeltlichkeit keine Gerechtigkeit“ beschrieb der Sozialethiker Prof. Dr. Peter Schallenberg (Foto unten), Leiter der Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle der kath. Kirche in Deutschland (KSZ) den „Mehrwert“ einer christlichen Unternehmensethik.

Er ermutigte die anwesenden Unternehmer und Führungskräfte als Akteure der „Wirtschaft in Gemeinschaft“ in Deutschland, in der Praxis zu beweisen, dass es sinnvoll und möglich ist, einer reinen Effizienzsteigerung und Produktoptimierung auch das Wohl des Menschen und der globalen Gesellschaft hinzu zu fügen und eine Ethik der Wertschätzung zu leben. Nur diese konkrete Praxis könne eine Welt von falschen Ideen und Zielen in Wirtschaft und Arbeit verändern – wie etwa die einseitig am Technik- und Rentabilitätsmaximum ausgerichtete Bewertung von Arbeit.

Der WiG-Kongress ergänzte diese ethische Mängelanalyse durch eine Staffel von unternehmerischen Beispielen und Initiativen, die der weltweite Aufruf zur WiG 110624-26_Ottmaring_ridvon Chiara Lubich seit 1991 auch in Deutschland ausgelöst hat: Die Erkenntnis von globaler wie lokaler Armut als das Resultat falscher menschlicher Beziehungen motivierte sie, sich dem Ansatz von geschwisterlicher Hilfe aus der Spiritualität der Fokolar-Bewegung zu öffnen. Das schuf eine nachhaltige Motivation, um die globalen Nöte und Ungerechtigkeiten konkret anzugehen.

So berichteten einige Pioniere von der Begeisterung für neue Projekte oder betriebliche Aktivitäten, die einen erheblichen Einsatz und Geld für Bedürftige und neue Arbeitsplätze in Afrika, Südamerika und Osteuropa ermöglicht haben. Andere erläuterten exemplarisch, wie die Spiritualität der Geschwisterlichkeit auch innerhalb bestehender Betriebe die Umgangsform positiv beeinflusst: Wenn nämlich das Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft das reine Gewinnstreben ergänzt und „jede Person als ganze, nicht kalkulierbare Einheit individuelle Wertschätzung erfährt, kann sie als Akteur des Gebens all das einbringen, was sie als Person ausmacht“.

Der deutsche WiG-Kongress sollte das Viele hervorheben, das im Laufe von 20 Jahren durch die WiG schon bewirkt wurde, aber auch auf das Zukunftsziel blicken: Einer Wirtschafts-Mentalität des technischen Perfektionismus, ständiger Effizienzsteigerung und Quantitätsgläubigeit eine inhaltliche Richtung zu geben und vorzuführen, wie viele Kräfte für die Allgemeinheit und für die Bedürftigen global und lokal freigesetzt werden, wenn die kreative Kunst des Gebens zum Bestandteil der erklärten Firmenphilosophie wird und Teil des Handelns von Unternehmern und Führungskräften.

Vier programmatische Ziele für die kommenden 10 Jahre der WiG in Deutschland::

1 - den Dialog verstärken mit Institutionen und ähnlich gelagerten sozialen Wirtschaftsinitiativen im christlichen Umfeld und darüber hinaus,- ein Dialog, der schon begonnen hat mit der Einladung zur Zusammenarbeit mit dem KSZ von Seiten des Festredners, Msgr. Dr. Schallenberg und dem BKU (Bund kath. Unternehmer) sowie etwa mit anderen christlichen Bewegungen innerhalb des ökumenischen Prozesses „Miteinander für Europa“.

2 - die Kommunikation untereinander optimieren und dazu den neuen deutschen Internetauftritt www.edc-online.org/de, WiG-Unternehmernetzwerke sowie den regelmäßigen Newsletter als Austauschplattform zu nutzen.

3 - die Sichtbarkeit in Medien und zeitgenössischer Kultur zu forcieren, damit der WiG-Ansatz etwa in wissenschaftlichen Veranstaltungen oder bei interessierten Gruppen bekannt wird.

4 - neue, mutige unternehmerische Kreativität, mit der die WiG-Akteure neue Gewinnaktivitäten auftun und somit Arbeit und Unterstützung für Bedürftige ermöglichen, und zwar auch im eigenen Land.

110624-26_Ottmaring04_ridEinige Teilnehmerstimmen:Ich hätte nicht ansatzweise erwartet, dass die deutsche WiG derart konkrete und nachhaltige Formen der Firmengründung in Afrika und Lateinamerika zustande gebracht hat.“ (Ein Sozialwissenschaftler) – „Ich biete jetzt meinen Online-Shop für unsere Freunde ‚Von der Straße‘ in Brasilien an, damit sie ihre Designertaschen auch bei uns vertreiben können.“ (Ein Web-Unternehmer) –  „Ich möchte mich durch Kinderpatenschaften engagieren.“ (Eine Manager-Gattin) – „Das gibt für meine künftigen Arbeit eine Sinndimension, die über das Betriebswirtschaftliche hinausgeht.“ (Ein angehender Unternehmensnachfolger) – „Ich freue mich, dass hier viel verborgenes Engagement die richtige Wertschätzung bekommen hat.“ (Eine WiG-Akteurin) – „Ich habe verstanden, wie wichtig der Schulterschluss engagierter Unternehmer für das Festhalten an den WiG-Zielen ist, Geld alleine tut’s nicht.“ (Ein WiG-Unternehmer) – „Wir wollen als leitende Angestellte gemeinsam arbeiten am persönlichen Umgangsstil im Sinne der WiG auch in größeren Unternehmensstrukturen und unsere Ergebnisse publik machen.“ (Eine Abteilungsleiterin im Krankenhaus).

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