In Avola ist ein "Gut" entstanden das es zu beschützen und zu behüten gilt.

Zivilökonomie: ein dauerhaftes „Laboratorium“ im sizilianischen Avola

Von Antonella Ferrucci

120127-28_Avola_09_Steni_ZamDieses erste auf Dauer angelegte „Laboratorium“ der Zivilökonomie in dem kleinen Ort Avola Antica im südlichen Sizilien vom 27./28. Januar war ein ambitioniertes Vorhaben: Grundlagen erarbeiten und daraus neue zivile und nachhaltig wirkende Regeln entwickeln für den Umgang mit den gemeinsamen Gütern des jeweiligen Landes – Regeln, die Märkte und Politik in einer neuen Weise miteinander versöhnen. Aber wie? Ausgehend vom Beitrag aller Beteiligten, von Unternehmern über Freiberufler und Personen aus dem Bildungswesen bis zu Hausfrauen war jeder persönlich gefordert, ein Zeugnis positiven Handelns zu geben, um daraus wirksame und vor allem nachhaltige Regeln entwickeln zu können. „Das hier ist in erster Linie ein Laboratorium“, hieß es eingangs, „deshalb sind die Beiträge der Referenten am Beginn nicht das Wichtigste, vielmehr stehen sie im Dienst der individuellen Beiträge, die Nachmittags in gemeinsamer Arbeit in drei Gruppen von jedem eingebracht werden."  

Steni Di Piazza, Filialleiter der Banca Etica von Palermo und Mitglied der Kommission für Zivilökonomie von Sizilien, Kalabrien und Malta, resümierte den langen Werdegang, der bis hier geführt hat: ein Prozess mit neu aufgebauten Beziehungen, mit Veranstaltungen in den letzten Jahren, von denen die letzte 2010 unter dem couragierten Titel „Ethik und Legalität” stand. Auch der Ortdes Geschehens war sehr bedeutsam, zweifellos mit einem eigenen Genius loci. Als Steni vor Monaten das Laboratorium hier in dieser liebevoll restauriertenEremo della Madonna delle Grazie von Avola Antica (Südsizilien) plante, die von der Genossenschaft“Bioturismo” Verfügung gestellt wurde, welche auch die ganze Organisation dieser Veranstaltung übernommen hatte, konnte er gewiss nicht ahnen, dass gerade von Avola die politische Protestbewegung „Forconi“ [Mistgabeln] ausgehen würde. Manches passiert nicht rein zufällig. Steni kommentierte das so: „Von Avola ging der Protest aus, aber aus Avola kommt auch ein neuer Ansatz”. Vielen, die teilnehmen wollten, musste abgesagt werden, weil die eindrucksvole Zahl der Interessierten die Kapazität des Ortes weit überschritt. Auch dies ein Zeichen dafür, dass die Zeiten reif sind für derartige Initiativen mit hoher Beteiligung, wie zahlreiche Blogs auf der ganzen Insel belegen.

All dem möchte ich meinen Eindruck einer starken positiven Ausstrahlung hinzufügen, die in Avola spürbar war. Persönlich konnte ich mir ein Bild machen von einer zivilen, positiv eingestellten sizilianischen Gesellschaft, die solide im Konkreten arbeitet und bereits viele Früchte hervorgebracht hat: viele ermutigende und berichtenswerte Erfahrungen aus der Praxis, die mir beispielhaft scheinen: Menschen, die die schwierige Situation vor Ort kennen und sich ihr stellen, möglicherweise mit einem Koffer voll Maaloxan [Medikament gegen Magenbeschwerden], wie der Bürgermeister von Castelbuono Mario Cicero humorvoll meinte. Diese sympathischen Menschen haben mich buchstäblich erobert. In unserer Arbeitsgruppe mit fast 50 Teilnehmern war die Zeit begrenzt. Alle brauchten ihren eigenen Raum und waren mit großem Ernst bei der Sache. Man brachte sich ohne Umschweife und Polemik konkret ein, obwohl wir uns untereinander nicht kannten! War bei solcher Reichhaltigkeit das Resümee der Gruppenergebnisse am Ende auch nicht ganz einfach, so gelang auch das in der Rücksicht auf jeden Einzelnen.

Welche Rolle spielte bei all dem die Wirtschaft in Gemeinschaft? Das Projekt sollte in einzelnen Beiträgen im Plenum vorgestellt werden, doch durch Krankheit einiger Referenten war das nicht möglich. So wurde über die WiG nicht „gesprochen“, dennoch waren Teilnehmer der WiG-Kommission vor Ort sowie aus sizilianischen und kalabrischen WiG-Betrieben zu mehreren in den Gruppen präsent. Aus meiner Sicht war es unsere Rolle, vor allem das Positive ins Licht zu rücken, das aufkam: die WiG hat bei diesem Anlass als Hintergrund, als „Sauerteig“ mitgewirkt. Ich danke Steni, für seinen Einsatz und seine ausdauernde Courage, der einen wirklich positiven Prozess in Gang gesetzt hat, für den dieses Laboratorium nur die erste Etappe war. Auf Wiedersehen in Neapel, Bologna und Turin, den nächsten Stationen dieses Weges noch im Jahr 2012 und dann aufs Neue 2013 in Avola: auf Dauer ein fixer Termin.

In seinem Schlussresümee bestärkte uns Prof. Stefano Zamagni angesichts der unleugbaren Schwierigkeiten dieses Weges, den wir vor uns haben: Wir dürften sicher sein, dass „das Gute unendlich ist“, aber „das Böse eine Ende hat“. Das Problem liege darin, so Zamagni, dass das Böse „robust“ ist, während das Gute eher „fragil“ ist. Das Schöne und Gute, das wir in Avola gemeinsam durch persönliche Beziehungen, Dialog und Projekte aufgebaut haben, sollte von jedem Einzelnen von uns „beschützt“, „bewahrt“ und „zum Wachsen gebracht“ werden.

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