Lebhaftes WiG-Interesse des lokalen Eine-Welt-Forums in Münster

Auf der Suche nach Synergien für „Rio+20“

Von Winfried Baetz-Braunias

111119_Munster_Eine_Welt_03_ridWas hat das mit uns zu tun?” Der lokale Beitrag für Umwelt und Entwicklung mit Blick auf die 2. UN-Weltkonferenz in Rio 2012 beschäftigte die Konferenzteilnehmer des lokalen “Eine-Welt-Forums” (christliche und neutrale Umwelt- und Entwicklungsinitiaiven) am 19.11.2011 in Münster/ Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der kommunalen Aktionswochen für die Menschenrechte diskutierten etliche junge und langjährig engagierte Teilnehmer über solidarisch ausgerichtete Betriebe, wie sie die globale Bewegung “Wirtschaft in Gemeinschaft” präsentiert: als eine mögliche Antwort auf die weltweite Umwelt- und Gerechtigkeitsfrage, die jeden Bürger betrifft.

Zum ersten Mal in Deutschland hatten die Vertreter der WiG dabei Gelegenheit, in einem entwicklungspolitischen Kontext von 31 Veranstaltungen eine Brücke herzustellen zwischen ihrem Ansatz und den zahlreichen sozial-ökologischen Akteuren, die landauf landab, teilweise seit Jahrzehnten, aktiv sind: Umweltgruppen, Hilfsprojekte, Globalisierungskritiker, entwicklungspolitische Initiativen und Menschenrechts- Gruppen. Die Organisatoren wollten ihre Aktionsansätze in einem Erfahrungsaustausch vertiefen und hatten auch die WiG eingeladen, um die Praxis einer alternativen Wirtschaftsform kennen zu lernen. Hintergrund: Die Vereinten Nationen laden vom 4. bis 6. Juni 2012 zur Nachfolgekonferenz des Erdgipfels von 1992 ein – zur so genannten „Konferenz Rio +20“. Die Weltgemeinschaft vereinbarte 1992 in Rio u.a. das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsprogramm „Agenda 21“, das als Meilenstein auf dem Weg zur Nachhaltigkeit gilt. 

Im Impulsreferat der lokalen Eine-Welt-Konferenz führte Sabine Birken, Münsteraner Rechtsanwältin und ehemalige Landesvorsitzende der  Deutschen Gesellschaft 111119_Munster_Eine_Welt_01_ridfür die Vereinten Nationen (DGVN), in das Thema “Menschenrechte” ein, die trotz ständiger Weiterentwicklung längst nicht universell seien. “Die Menschenrechte fangen bei der persönlichen Praxis an: Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sind nicht erst Thema, nachdem wir unser eigenes Haus mit Vorgarten wohl bestellt haben, sondern sind ständige Grundsatzfragen des persönlichen Lebens.” 

In Arbeitsgruppen bearbeiteten die Teilnehmern die drei Themen der Weltkonferenz Rio+20: 1. Entwicklung einer sozial-ökologischen Wirtschaft, 2. Kampf gegen die Armut, 3. politischer Rahmen der nachhaltigen Entwicklung. Neben der Projektpräsentationen, z.B. ökologische Einkaufsgemeinschaften oder der Erinnerung an partezipatorische Wirtschaftsmodelle mit Ureinwohnern wie der “Jesuitenreduktionen” in Paraguay des 17. Jahrhunderts stellte die WiG ein realisierbares aktuelles Wirtschaftsmodell dar. Die Besonderheit des WiG-Ansatzes, - dass eine erhebliche Anzahl Betriebe sich innerbetrieblich wie weltweit zum Teilen der Gewinne mit Bedürftigen und zur konkreten Umsetzung der Menschenrechte wie Gleichheit, Selbstbestimmung in Solidarität oder Bildung und freie Entfaltung verpflichten, dieser Ansatz weckte das Erstaunen der Teilnehmer. Auch wurde deutlich, dass es zu solchem Engagement einer Vision von Geschwisterlichkeit bedarf, die die Spiritualität der Fokolar-Bewegung bereit stellt.

Wo stehen wir heute und wie wollen wir bis 2050 eine gerechtere Verteilung von gerechtem sowie klimaneutralem Wirtschaften und Konsum schaffen? Mit Beispielen aus ihrem betrieblichen Engagement konnten die WiG-Vertreter zeigen, dass die Wahrnehmung der Menschenrechte etwa in einem Konzern zu gerechteren Umgangsformen führte oder die Ausrichtung am Gemeinwohl sehr wohl den sorgsamen Umweltschutz im Hinblick auf kommende Generationen einschließt. Dem Wunsch von Teilnehmern, durch ethisch bewussten Konsum auch WiG-Betrieb zu unterstützen und sie anhand einer Produkt- und Firmenliste zu identifizieren, konnte die WiG allerdings derzeit noch nicht entsprechen.

Am Ende des Tages wurde von mehreren Vertretern der Wunsch geäußert sich zu weiteren Gesprächen zu treffen um auch der Stadt Münster das Leben dieser existierenden Gruppen näher zu bringen und einen Beitrag zu geben zur kommenden Weltkonferenz in Rio.

Die Geschichte des Eine-Welt-Forums Münster ist eng verbunden mit einer interessanten Form partezipatorischer Demokratie, der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit in der 280.000 -Einwohner-Stadt. 1992 schlossen sich eine größere Zahl von Eine-Welt- und Umwelt-Initiativen in Münster mit dem Ziel zusammen, Entwicklungspolitik auch als Aufgabe kommunaler Politik deutlich zu machen. Sie gründeten als losen Zusammenschluss das "Eine-Welt-Forum Münster". Über einen Bürgerantrag bewegten diese Gruppen 1993 mit Hilfe ihres Sprachrohres "Eine-Welt-Forum Münster" den Rat der Stadt Münster dazu, in einen Dialog über die Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen einer lokalen Agenda 21 einzutreten. Daraufhin wurde u. a. 1995 der Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit als ein beratendes Gremium für Rat und Verwaltung der Stadt eingerichtet, in dem VertreterInnen des Eine-Welt-Forums, des Umweltforums, der Universität, des Ausländerbeirates und mit beratender Stimme Vertreter der Ratsfraktionen zusammenarbeiten.

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