Ernest Kablan, Wegbereiter der WiG in Afrika

Der Bankdirektor starb am 18. Oktober im Alter von 63 Jahren.

von Geneviève A. M. Sanze

Ernest_KablanErnest Kablan, 1948 in der Republik Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) geboren, arbeitete als leitender Bankangestellter in verschiedenen Städten seines Landes. Seit einigen Jahren lebte er aus Krankheitsgründen im Vorruhestand in Abidjan . Er war dort, am Regierungssitz der Republik Côte d'Ivoire, das Stammesoberhaupt der Kablan vom Volk der Agni, eine Position, die er von seinem Vater geerbt hatte. In Westeuropa ist die Vielzahl der Menschen, die zu einem Stamm gehören, schlecht vorstellbar: mehrere Hundert bilden ein Volk. Aufgrund dieser Position konnte  Ernests Beerdigung erst im Januar stattfinden. Als wir von seinem Tod erfuhren, konnten wir uns gut an ihn erinnern, können wir ihn aus gutem Grund doch als Wegbereiter der Wirtschaft in  Gemeinschaft in Afrika bezeichnen.  Nun wird er sich unzweifelhaft von oben für sie einsetzen.

Am 03. Juni 1984 hatte Ernest Kablan am internationalen Kongress "Arbeit und Wirtschaft heute aus christlicher Sicht“ des Zweiges Neue Gesellschaft der Fokolar-Bewegung in Rom teilgenommen und sein persönliche Zeugnis abgegeben. Aus dieser Konferenz entwickelte  sich das "Internationale Büro Wirtschaft und Arbeit“, ein Netzwerk von Studenten der Betriebswirtschaft und Führungskräften der Wirtschaft aus allen Kontinenten. Chiara Lubich hatte  dieses Büro intuitiv im Sinn, lange vor der Globalisierung, um die Themen von Wirtschaft und Arbeit in Zusammenarbeit mit Repräsentanten aus allen Kontinenten besser zu entwickeln. In gegenseitiger  Aufmerksamkeit könnte die Vision von Menschen mit Weltdimension wachsen. In dem internationalen Büro mit Repräsentanten aus- Asien, USA Brasilien, Argentinien, Europa und Australien hatte Ernest die Aufgabe, Afrika zu repräsentieren. Er fragt sich im ersten Moment, wieso gerade er hierzu hineingerufen wurde. Alberto Ferrucci erinnert sich: "In einem Gespräch beim ersten Treffen des Büros erzählte Ernest: Ich wunderte mich die ganze Zeit: was tut ein Schwarzer hier in dieser Gruppe von Weißen? Dann habe ich verstanden: Ich bin der Schönheitsfleck dieses Jesuskindes mit blonden Haaren.“

Als erste Aktivität im Internationalen Büro von Wirtschaft und Arbeit förderte Ernest 25 Jahre lang in der Republik Côte d'Ivoire ein damals neuartiges Experiment mit Mikrokrediten für Mütter. Diese schützten die Mütter vor Überschuldung durch Lohn-Unterschlagungen und  ermöglichten den Kauf von Schulbüchern für die Kinder. Sollte je eine neue Initiative auf dem Gebiet der Mikrokredite in Afrika starten, müssen wir sie definitiv nach ihm benennen.

Ernest hatte immer eine schwache Gesundheit, was ihn zu einer tiefen Beziehung zu Gott führte. Er war immer froh gelaunt, wenn ich ihn traf und wenn ich ihn über die Fortschritte der WiG informieren konnte. Für die bat er mich zu beten und für die bot er seine Schmerzen an. Als ich im Jahr 2002 den Master in Wirtschaft der Gemeinschaft gemacht habe, war Ernest bei der Diskussion meiner These anwesend. Für mich war es ein wertvolles Geschenk, seinen Zuspruch zu erhalten und seine lebhafte Freude darüber zu sehen, dass ich mich diesem Thema widmete: “der Lösung der Probleme Afrikas“, wie er sagte.

Geben wir ihm das Wort mit seiner Erfahrung als Bankdirektor im Lichte des Evangeliums. ““Oft passierte es, Ernest_Kablan01_riddass ich einem Kunden jedes Detail erklären musste. Der Kunde ging und kam einige Zeit später zurück mit der Bitte, noch einmal dasselbe erklärt zu bekommen, weil er es nicht verstanden hatte. Am Ende verlor ich die Geduld, schickte ihn hinaus und sagte: Ich habe keine Zeit zu verlieren und muss meine Arbeit machen. Aber eines Tages dachte ich an das Pauluswort: ‚Ich bin schwach geworden mit den Schwachen...‘ Es war als ob mir eine Binde von den Augen genommen wurde. Ich wurde ‚schwach‘ mit dem Kunden, indem ich ihn als Bruder sah. Ich habe dann versucht, sein Problem von Grund auf zu lösen, und er kam nicht mehr zurück, wie auch die anderen nach ihm. Selbst wenn ich jetzt die materiellen Wünsche eines Kunden nicht erfüllen kann, versuche ich wenigstens, ihn zufrieden zu stellen und begleite ihn zum Schluss freundschaftlich zur Tür. Mein Fahrer erzählte mir neulich die Bemerkung eines Kunden: ‚Wenn man zu deinem Chef kommt, hat er immer eine Lösung, selbst wenn er das Darlehen nicht unterzeichnet.‘

Ich habe versucht, diese Erkenntnisse mit meinen Mitarbeitern zu teilen, um nicht der Einzige zu sein, der ‚diese Blume pflegt‘. Mein Kassierer zum Beispiel war eine schwierige Person, langsam im Kapieren. Er stand schon auf der Entlassungsliste und ich hatte zugestimmt, denn er war aggressiv gegenüber den Kunden. Er hatte eine böse Erfahrung mit einem Kunden gemacht, der Dokumente gefälscht hatte. Beinahe wäre er dadurch im Gefängnis gelandet. Deshalb sah er in jedem Kunden einen potentiellen Feind. Ich habe alles für ihn getan: habe ihm gute Tipps gegeben, ihn zu einer Fortbildung über den Umgang mit Kunden geschickt, aber nichts hat geholfen. Die Situation verschlechterte sich immer mehr. Schließlich habe ich mit ihm eine neue Methode versucht. Ich rief ihn zu mir und fragte ihn: „Sind die Kunden nicht Deine Brüder?“ „Ja, Chef“. „Hast Du Brüder?“ „Ja.“ „Hast du Kinder?“ „Ja“. „Dann solltest Du die Kunden, die zu Dir kommen, wie Deine Kinder annehmen!“ „Ja, Chef, doch immer wenn ich auf sie zugehe, werde ich schlecht behandelt.“ „Es zählt nicht, dass es negativ zurückkommt. Du solltest Dich ändern und ein großes Herz für sie haben, denn Gott sieht Dich und erwidert Deine Liebe. Du hast seinen Segen, und du wirst sehen  so wirst Du glücklich. Wenn einer zu Dir kommt und ein Problem hat, erwartet er von Dir, dass Du ihm hilfst. Doch wenn Du ihn beschimpfst und nicht auf seine Probleme eingehst, gehst Du mit Gewissensbissen nach Hause. Aber wir müssen Liebe in uns haben. In der gleichen Woche änderte er sich. Er wurde bei den Kunden nicht mehr laut, wurde kulanter, machte keine unordentlichen Stapel mehr, letztlich arbeitete er genauer. Ich habe gesehen, dass nur die Nächstenliebe ihn verändert hat, während alle anderen Techniken versagten. Das hat mich sehr beeindruckt.“

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