Prof. Bruni an der St.-Thomas-Universität Manila: WiG als "Hoffnungszeichen“

Auf der internat. Konferenz “Verminderung der Armut“ (24.9.2011) sprach Prof. Bruni an der philippinischen St.-Thomas-Universität über die WiG als "Hoffnung im Zeitalter der Globalisierung“.

Von Teresa Ganzon

110924_manila_UST_04_ridDen über 200 Teilnehmern - Hochschulabsolventen, Professoren, Repräsentanten von Nicht-Regierungsorganisationen und Politikern - legte Bruni vier Prämissen vor:

1. Auf Grund der Globalisierung sei Armut nicht mehr nur ein nationales Problem sondern ein weltweites.

2. Wichtiges Thema in der Armutsdebatte sei die Erziehung zur Arbeit, und zwar zu allen Arten von Arbeit, nicht nur die intellektuelle betreffend: auch die handwerkliche Arbeit habe ihre Würde. Eine Botschaft, die das Christentum vermitteln könne: die Arbeit ist wichtiger Teil persönlicher Entwicklung.

3. Die aktuelle Situation erfordere eine Neudefinition der Beziehungen zwischen Staat, Regierung und Gesellschaft: Es reiche nicht mehr aus, die ausschließliche Kompetenz für die Einkommensverteilung dem Staat zu überlassen. Dringend gebraucht würden Sozial-Unternehmer, die sich mit den sozialen Problemen direkt auseinandersetzen, statt sich hinter dem Abgabensystem zu verstecken.

4. Die Finanzkrise habe gezeigt: etwas stimme im System nicht, und wenn es nicht korrigiert werde, riskiere die Gesellschaft einen zweiten, fatalen „Infarkt“. Um eine Wiederholung der Krise zu vermeiden, sei eine Änderung im Lebensstil notwendig.
Bruni beschreibt weiter die neuen Möglichkeiten der Globalisierung sowie die denkbaren Risiken, durch welche die Welt zu einem Ort werde, „wo die einzige Form menschlicher Beziehung die wirtschaftliche Transaktion – cash nexus – ist und alles zur Ware wird.“ Es seien zwei Entwicklungen für die Marktwirtschaft denkbar, „Die erste: Wir bauen ein globales Dorf, wo, wie in jedem Dorf, verschiedene Spielregeln gleichzeitig gelten. Die Zweite: Die Welt wird zu einem globalen Supermarkt, wo alles zur Ware wird und es keinen Raum mehr gibt für ursprüngliche und authentische Beziehungen.“

In diesem Zusammenhang sei es die größte Herausforderung für die WiG, theoretisch und praktisch „hier und heute, auch auf den 110924_manila_UST_02_ridPhilippinen, zu beweisen, dass man eine Wirtschaftsgemeinschaft aufbauen kann mit authentische Beziehungen auch in der Domäne der Wirtschaft. Daher ist die Wirtschaft der Gemeinschaft ein konkretes Zeichen der Hoffnung in diesem Stadium der Krise, weil jede Krise auch ein Moment der Chance sein kann. Schließlich beschrieb Bruni die Wirtschaft in Gemeinschaft mit ihren drei Säulen: Unternehmen, Umgangskultur und Armut. 

Beim Thema Unternehmen unterschied Bruni zwei Typen von Unternehmern: erstens den des Spekulanten, dessen Hauptantrieb es sei, das Unternehmen auf Gewinnmaximierung zu trimmen, und für den das Geschäftsfeld nebensächlich sei. Für den echten Unternehmer hingegen seien die Aktivitäten des Unternehmens überhaupt nicht zweitrangig. Es habe seinen inneren Wert und erfordere über die Profitleistung hinaus seine Leidenschaft und Intelligenz. Frucht dieser Intelligenz seien Kreativität und Innovationen. Dieses „Sehen mit neuen Augen“ charakterisiere den wahren Unternehmer.
Zum Wesen des Profits empfehle die kath. Soziallehre, acht zu geben auf die Art, wie Einkommen umverteilt wird. Nach Ansicht von Bruni funktioniert die Praxis nicht in unserer kapitalistischen Gesellschaft, die den Löwenanteil der erwirtschafteten Werte an die Aktionäre gibt, statt den Angestellten des Unternehmens. Die Praxis tausendfach höherer Managergehälter gegenüber dem, was  Angestellten nach Hause bringen, wiederspreche  dem christlichen Wirtschafts-Ansatz. In der WiG gingen hingegen die Firmengewinne eben nicht ausschließlich an die Investoren. Unter den Bedingungen der Marktwirtschaft müsse auch eine WiG-Firma effizient arbeiten und im Unternehmen Werte schaffen, aber nicht zum Nachteil der Angestellten, die gerade durch ihre Arbeit zum Gewinn beitragen. Es sei die andere Verteilung der Gewinne, die den Unterschied zu einem typisch kapitalistischen Ansatz ausmache.

Hinsichtlich der Armut präzisierte Bruni, sie sei immer das Resultat von fehlerhaften zwischenmenschlichen Beziehungen. Armut sei kein individuelles Merkmal, wie die physischen Kennzeichen mit denen jeder geboren wird, sondern Armut sei eine soziale Aufgabe. Um ein Mittel gegen die Armut zu finden, müsse man sich daher nicht nur an den Einzelnen wenden, sondern auch die internen Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft beachten. “Armut ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Benachteiligung in den Fähigkeiten, Chancen, Freiheiten, Rechten. Wenn man gegen die Armut kämpfen will, muss man in Ausbildung, Chancen, Politik und Rechte investieren.“

110924_manila_UST_03_ridSehe man Armut als fundamentalen Ausschluss von Chancen, Politik, Bildung, Arbeit, müsse man die „negative Armut“ bekämpfen (die schmerzhaft aus den fehlerhaften Beziehungen resultiere, im Gegensatz zu der „gewählten“ Armut, die das Evangelium lehre). Das bedeute, die Bedürftigen an die inneren Produktionsabläufe einer Firma heranzuführen, ohne sie auf Hilfsarbeitertätigkeiten zu begrenzen. „ Das ist wirklich eine bedeutende Botschaft aus der gesamten Zivilisation: Ohne Arbeit gibt es keinen Weg aus der Armutsfalle.

Wenn man mich fragt, wie die Armut in den Ländern mit sozialen Problemen zu bekämpfen ist, bestünde meine Antwort in drei Punkten: Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung. Ohne Ausbildung gibt es besonders für junge Menschen keine Zukunft. Qualitativ hochwertige Ausbildung: Grundschule, Weiterbildende Schule, Universität, usw. Aber es bedarf nicht nur der intellektuellen Bildung, sondern auch der praktischen Ausbildung.

Bruni wandte sich abschließend an die philippinischen Zuhörer - in der Mehrheit  Repräsentanten der Akademikerschaft - Wirtschaft und soziale Verantwortung anders zu vermitteln und sich mehr auf das Verständnis eines „gemeinschaftlichen Weges“ zu konzentrieren als auf einen philosophischen Ansatz.

Ich hoffe, dass Ihre so kreative Gesellschaft und Wirtschaft der Phillipinen einen eigenen Weg zu einer Marktwirtschaft finden kann, der die christlichen und gemeinschaftlichen Wurzeln unterstützt, die so klar und stark in Ihrer Gesellschaft vorhanden sind, und die in der globalisierten Wirtschaft und Gesellschaft wachsen und sie erneuern können. In dieser großen und spannenden Herausforderung kann die kleine Erfahrung der ‚Wirtschaft in Gemeinschaft‘ vielleicht ein Vorbild sein.“

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