Warum Paris?

Radio inBlu interviewte Muriel Fleury (Nouvelle Cité) und Paul Wirth von der Kommission des interreligiösen Dialogs in Frankreich.

publiziert in Focolare.org, 17/11/2015

Parigi rid„Wir sind tief erschüttert und entsetzt nach diesen Massakern. Aber wir sind auch überrascht von der breiten Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Wir fühlen uns in die Verantwortung gezogen, Antworten zu geben.“ Muriel Fleury ist die Chefredakteurin der französischen Zeitschrift der Fokolar-Bewegung Nouvelle Cité. Auf die Frage von Radio inBlu, wieso gerade Frankreich, das im Vergleich zu anderen europäischen Staaten schon länger auf Integration von Zuwanderern und die Achtung vor ihnen gesetzt hat, für diese grausamen Gewaltakte ausgesucht worden war, gab sie zur Antwort:

„Es ist uns in der Geschichte gelungen, andere Völker zu integrieren, aber in den letzten Jahren sind wir dabei etwas nachlässig geworden. Wir wollen eine Multikultur, d.h. wir nehmen die anderen auf, aber wir achten nicht immer auf ihre Kultur, deren Werte grundverschieden sind von den unseren. Darum sind alle Möglichkeiten zum Dialog, zur Begegnung so wichtig. Wir müssen uns um ein gegenseitiges Kennenlernen unserer unterschiedlichen Kulturen und Religionen bemühen. Die Tatsache, dass wir uns eigentlich nie richtig begegnet sind, hat jetzt diese tragische Situation hervorgerufen.“

Paul Wirth, auch er Mitglied der Fokolar-Bewegung und engagiert im interreligiösen Dialog, erklärt in diesem Zusammenhang: „Ich gehöre zu einer islamisch-christlichen Freundesvereinigung (GAIC), die es in ganz Frankreich gibt: Jedes Jahr verbringen wir eine gemeinsame Woche miteinander (die letzte Woche begann am 12. November…). Es ist sehr wichtig, dass wir das alles bekannt machen, damit die Menschen unterscheiden können zwischen echten Muslimen und denen, die sich Muslime nennen, aber dem Hass verfallen sind.“

Auf die Frage nach der Reaktion der muslimischen Freunde auf die Attentate von Freitagabend antwortet er: „Viele muslimische Verbände haben in öffentlichen Verlautbarungen diese barbarischen und untolerierbaren Gräueltaten verurteilt und ihre Nähe zu den Opfern und ihren Familien zum Ausdruck gebracht. Sie fühlen sich in einer schrecklichen Lage, aber wir Christen sind davon überzeugt, dass diese tragischen Ereignisse nicht die geschwisterlichen Beziehungen unter uns zerstören können.“

In ihrer Analyse nennt Muriel Fleury noch weitere Gründe für die Zuspitzung der Lage: „Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir ganze Stadtviertel verlassen, in die sich selbst die Polizei kaum hineinwagt. Wir haben die ausländischen Jugendlichen sich selbst überlassen, wir haben sie nicht beschäftigt, wir haben uns von ihnen einfach ferngehalten. Das hat sicher auch dazu geführt, dass sie sich radikalen pseudo-religiösen Gruppen angeschlossen haben, die viele von ihnen auf diesen fundamentalistischen Weg gebracht haben – die Ergebnisse erleben wir gerade.“

Wie kann man ein so komplexes Sozialgefüge wieder flicken? „Das Problem – so Fleury – besteht darin, dass wir uns in Frankreich befinden, wo wir eine gewisse geistliche Leere hervorgerufen haben. Die französische „Neutralität in Sachen Religion“ hat zu einer Verleugnung der geistlichen Dimension des Menschen geführt. Heute haben wir einen neuen Weg eingeschlagen, den wir weiter gehen müssen, den Weg der Begegnung, des Miteinanders. Er kann dazu führen, dass die Religionen zusammenarbeiten können, auch mit der Republik. Es gibt Signale in diese Richtung, man ist auf der Suche nach Lösungen, die den verschiedenen Stimmen und den unterschiedlichen Religionen Rechnung tragen.“

 

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