Junger Kontinent macht Mut

Internationaler Kongress der Wirtschaft in Gemeinschaft in Kenia Nairobi, 27.-31. Mai 2015 Knapp 400 Teilnehmer aus aller Welt kamen zum diesjährigen internationalen Kongress der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ (WiG) in die Siedlung der Fokolar-Bewegung nicht weit von Nairobi entfernt.

Von Andrea Fleming

150524 Nairobi EoC School 37 ridDem internationalen Kongress ging in der letzten Maiwoche eine Schulung für Jugendliche voraus, an der 170 Jugendliche aus 25 Ländern teilnahmen. Durch konkrete Beispiele vitaler Inkulturation kamen die enormen Potenziale des afrikanischen Kontinents in den Blick. Im respektvollen Dialog wurde ein in Europa gängiges Vorurteil überwunden, diese Länder seien arme, lediglich auf die Hilfe von anderen wartende Bittsteller. Gemeinsam wurden Pläne geschmiedet und Projekte erarbeitet: Neugründungen von Unternehmen im Kongo (3), im Kamerun, in Burundi (2), Tansania, Burkina Faso und Nigeria, weitere Entwicklungsmaßnahmen und Ansätze für die wissenschaftliche Forschung; WiG-Unternehmer aus den Industriestaaten sagten ihre aktive Unterstützung zu.

Der internationale WiG-Kongress 2015.

Am Kongress nahmen 386 Personen aus 38 Ländern teil; das Live-Streaming im Internet verzeichnete insgesamt über 5000 Zugriffe. Das reichhaltige Programm spiegelte die lebendige Substanz des Lebens der internationalen WiG: innovativ, aktuell und zukunftsorientiert auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Welt.  Prof. Luigino Bruni, der Leiter der Internationalen Kommission, moderierte den ersten Tag und gab einen Einblick in die erneuernde Kraft der WiG weltweit, belegt durch zahlreiche Erfahrungsberichte und Workshops an allen Tagen des Kongresses.

Am zweiten Tag referierte die Afrikanerin Geneviève Sanzé aus der Elfenbeinküste über die Dynamik der „Kultur des Gebens“ als Grundlage gemeinschaftlichen Lebens: in der Begegnung150528 Nairobi Congresso EdC 42 rid mit anderen vorrangig deren Reichtum sehen und erst danach auch die Defizite, die Armut. So entsteht und bildet sich Gemeinschaft unter Gleichen, denn Reiche und Arme sind nicht zuletzt dadurch verbunden, dass jeder geben und empfangen kann. Der Schweizer Luca Crivelli von der Universität Lugano untermauerte dies durch ein fundiertes Referat über die positiven und negativen Aspekte von Armut und Reichtum, mit Perspektiven für den Aufbau einer menschenwürdigen Gemeinschaft.

Anouk Grevin von der Universität Nantes und andere verdeutlichten durch eine Reihe von Berichten aus dem Alltag von Unternehmern, wie diese Kultur bereits auch auf betriebswirtschaftlich innovativ zu wirken vermag. Hier zeigte sich, wie lebendig die WiG in vielen Ländern ist: Im brasilianischen Bundesstaat Alagoas beispielsweise wurde eine Partnerschaft begründet zwischen Privatleuten und Behörden zur Förderung der Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der AMU, der internationalen Koordinationsstelle der WiG-Projekte. Die Philippinen hingegen steuerten die Geschichte eines kleinen Lebensmittelgeschäftes bei, dessen Inhaber sich für die Armen in seinem Viertel engagiert und Gemeinschaft aufbaut. Aus Spanien wurde über die Erfolge einer Tagesstätte für Menschen mit einer Behinderung berichtet.

An den Nachmittagen traf man sich in 8 Workshops: Politik, Entwicklungsprojekte (in Zusammenarbeit mit der AMU), Mikrokredite und Armutsbekämpfung, Start-up-Vorhaben, Wissenschaftler und junge Forscher, Management in Betrieben, Netzwerk der Unternehmer sowie die WiG im Dialog mit den Kulturen Afrikas.

Der 24. Geburtstag der WiG am 29. Mai wurde feierlich mit einer großen Torte begangen; in dem Rahmen wurde auch das Leben der kenianischen Fokolar-Siedlung Piero vorgestellt. Deutlich wurde, dass das Wirken der christlichen Bewegung in Afrika in den 150529 Nairobi Congresso EdC 44 rid60er-Jahren mit dem großzügigen Engagement von Pionieren begann, das  – gemäß der Verheißung des Evangeliums - „hundertfach“ aufgeblüht ist  - besonders auf sozialer Ebene. Jüngste Frucht dieser Entwicklung ist das Projekt „Franҫois Neveux“, so benannt nach einem südfranzösischen WiG-Unternehmer, der in Brasilien Pionierarbeit für die WiG leistete: Durch die enge Partnerschaft zwischen erfahrenen Unternehmern aus der ganzen Welt mit Jungunternehmern, die WiG-Betriebe aufbauen, sollen möglichst viele neue Arbeitslätze und Existenzgrundlagen geschaffen werden.

Das wurde am Schluss des Kongresses durch einen Pakt gemeinsamen Engagements für den Aufbau von WiG-Unternehmen besiegelt. Der Kongress in Nairobi war für alle eine kräftige Ermutigung auf dem weiteren Weg.

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