Best practices

Blumen und schmutzige Wäsche

Zwei originelle Initiativen im sardinischen Cagliari

Von Roberto Comparetti

Veröffentlicht in: Città Nuova n.9/2011 vom 10.05.2011   

Carlo_Tedde_ridIn der Rangordnung der Lebensqualität seiner Bewohner bezogen auf städtische Grünflächen steht die sardinische Stadt Cagliari in Italien an zweiter Stelle. Hier wurde 1983 die Sozialgenossenschaft Primavera ’83 gegründet: ein Gärtner, ein Sozialarbeiter und die Sicherheit des Glaubens, dass bei Gott nichts unmöglich ist,- damit ging’s los. Heute hat die Genossenschaft 55 Mitarbeiter, die vor allem in den städtischen Parkanlagen tätig sind; sie haben hier trotz ihrer Schwierigkeiten wieder eine Arbeit gefunden.

Geleitet wird die Genossenschaft, die seit 1991 der WiG angehört, derzeit von Maria Grazia Patrizi, die 1987 in dieses Abenteuer einstieg: „Am Beginn war die Situation nicht gerade rosig. Die meisten unserer Genossenschaftsmitglieder waren nicht in der Lage, den Arbeitsanforderungen gerecht zu werden. Ich hatte viele Zweifel. Meine Mutter half mir und erinnerte mich daran, dass hinter jeder Person und Situation Gott steht, auch in dieser Initiative. Das gab mir die nötige Motivation.

Durch eine komplette Umstrukturierung gewann die Genossenschaft neu an Fahrt, wobei der Zusammenhalt der Gruppe im Vordergrund stand. 1998 folgte ein weiterer Schritt durch den Anschluss an das „Konsortium Solidarität”, wodurch die Zusammenarbeit mit anderen Sozialgenossenschaften gestärkt wurde, die in der Eingliederung von Personen mit Problemen, Drogenabhängigen und Menschen mit geistiger Behinderung erfahren waren.

Ein wesentlicher Schritt war, dass wir uns zusammen mit einer anderen Genossenschaft um die städtischen Grünanlagen in Cagliari kümmerten. Das war eine besondere Herausforderung, nachdem wir im Wettbewerb mit größeren Betrieben in dem Bereich bestanden hatten. In einer sardinischen Zeitung erschien damals ein Artikel mit der Überschrift ‘Mit Begeisterung pflegen sie die Parks der Stadt‘, in dem die Arbeit gewürdigt wurde. Und ich erinnere mich sehr gut, dass die Einwohner Cagliaris, nachdem sie die Arbeiter in grünen Overalls im Zentrum der Stadt gesehen hatten, von einer erfreulichen Neuigkeit sprachen.

30 Jahre nach dem Beginn dieser Aktivitäten ist schon manches erreicht und sind viele Hürden genommen worden. Die Überzeugung hat sich gefestigt: Gott hat seine Pläne, wir müssen sie nur entdecken und daran mitwirken, um sie umzusetzen.

Die schmutzige Wäsche wird im Gefängnis gewaschen“, das sagte der Bischof von Cagliari, Giuseppe Mani, am Tag der Einweihung der Wäscherei in der Jugendjustizvollzugsanstalt in Cagliari/Quartucciu. Es handelt sich um eine unternehmerische Initiative der WiG-Sozialgenossenschaft ‘Die Laterne’ vom ‘Konsortium Solidarität’, die zusammen mit fünf anderen Jugendstrafanstalten in Italien an vorderster Front in der Resozialisierung steht.

Für uns ist diese Arbeit im sozialen Bereich eine Herausforderung, je schwieriger sie ist, desto mehr Freude erfahren wir dabei! Diese Erfahrung läuft seit nunmehr drei Jahren, und daraus hat sich ein weites Netz mit vielen Synergien gebildet, und es haben sich Beziehungen zwischen den öffentlichen Behörden, dem sozialen Privatsektor und der städtischen Gemeinschaft  entwickelt. Diese mühevolle Innovation ist das Wertvollste an dem Ganzen”, so Carlo Tedde, der Vorsitzende des „Konsortiums Solidarität”, ein Jahr nachdem die Wäscherei ihre Aktivitäten aufgenommen hatte. „Wir möchten diese Erfahrungen der Arbeit nutzen und weitergeben, das Gefängnis öffnen und zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Dieses gemeinschaftliche Unternehmen überwindet die Mauern zwischen denen, die drinnen sind, und denen, die draußen sind, die Mauern der Bürokratie, des Pessimismus. Zur Freude aller ist das Misstrauen mit dem Erfolg des Projekts geschwunden.”

Die 2009 eröffnete Wäscherei profitierte von der wichtigen Unterstützung der Firma Nivea, die im gleichen Sektor tätig ist, ihr Kow-how zur Verfügung stellte und auch einige Aufträge vergab. Der Leiter der Strafanstalt Giuseppe Zoccheddu: „Der Erfolg des Projekts ist der Sozialgenossenschaft ‘Die Laterne’ zu verdanken, die zum ‘Konsortium Solidarität’ gehört und von ihm begleitet wird. So konnten fünf straffällige Jugendliche eine tägliche Arbeit finden. Das eigentliche Ziel des Projekts besteht in der Berufsausbildung vor Ort mit echten Profis. Nur so ist eine wirkliche Resozialisierung möglich. Die Genossenschaft hat die Aktivitäten in Gang gebracht, die Jugendlichen arbeiten und erlernen einen Beruf, ja, sie haben sogar die Möglichkeit, selbst in der Organisation der Genossenschaft mitzuarbeiten, wenn sie tüchtig sind.“

Die psychologische Betreuerin der Jugendlichen, Patrizia Accossu, die auch verantwortlich für die Resozialisierungsmaßnahmen ist, meint begeistert: „Den persönlichen Kommentaren entnehme ich, wie erfolgreich die Initiative ist. Wir helfen den Jugendlichen, sich auf die Welt, die sie draußen erwartet, mit einer besseren Grundlage vorzubereiten.”

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